Orgelbau Romanus Seifert & Sohn


Im Jahre 1885 eröffnete Ernst Seifert seine eigene Orgelbauwerkstatt in Köln. 1906 gründete er anlässlich des Orgelneubaus in der dortigen Marienbasilika eine Filiale in Kevelaer. Der Betrieb in Köln wurde 1981 aufgegeben.

2010 feierten die Orgelbauer das 125-jährige Bestehen der Werkstatt, die der aus Thüringen stammende Ernst Seifert 1885 in Köln gründete und die heute in fünfter Generation von Roman Seifert in Kevelaer geführt wird. Das Startkapital für die Gründung seiner Firma erwirtschaftete sich Ernst Seifert durch den Verkauf eines Patentens für ein völlig neuartiges Windladesystem, bei dem die Luft durch kleine Membranen aus Leder in die Pfeifen gelenkt wird. Die drei Söhne des Firmengründers bauten in Köln, Bergisch-Gladbach und Kevelaer Orgeln. Doch nur die Produktionsstätte am Niederrhein blieb bis heute erhalten.

Der Firmensitz in Kevelaer kam durch einen großen Auftrag zustande. 1907 sollte für die Marienbasilika in Kevelaer die größte Orgel im deutschen Kaiserreich gebaut werden. Bedingung bei der Auftragsvergabe an Ernst Seifert war, in Kevelaer eine Zweigstelle zu errichten. Die Orgel für die Marienbasilika war die größte, die bisher die Werkstatt verließ. Mit ihren 149 Registern ist sie heute noch ein imposantes Instrument, das die zahlreichen Pilger im Marienwallfahrtsort immer wieder beeindruckt. Seifert blieb in Kevelaer, weil die 1865 eröffnete Bahnlinie Köln-Nimwegen günstige Perspektiven eröffnete. 1907 baute Seifert auch die Orgel im Neusser Quirinus-Münster.

Orgelbau Seifert ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Roman Seiferts Großvater hat in den 20er Jahren auch Kinoorgeln gebaut. Das war ein florierendes Geschäft – bis der Tonfilm kam. Die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren brachte auch für den Orgelbau viele Schwierigkeiten. In ihrer jetzt über 125-jährigen Geschichte hat das Unternehmen über 1000 Orgeln gebaut, zurzeit ist es auf drei, vier Jahre hinaus ausgebucht. Wer heute eine Orgel in Auftrag gibt, muss eine sechs- bis siebenstellige Summe dafür einplanen. Je nach Größe braucht das Unternehmen für eine Orgel 2000 bis 17000 Arbeitsstunden.

Nach 1945 wurden viele Kirchen neu gebaut, das Geschäft mit Orgeln lief flott. Damals wurde viel elektrisch nachgeholfen, vorrangig war, mit den beschränkten Mitteln der damaligen Zeit dennoch kunstvolle Instrumente zu schaffen. Heute stehen wieder Tradition und Qualität an erster Stelle. Roman Seifert hat seit seinem Einstieg 2000 in das Unternehmen die Firma gründlich umgekrempelt. Ein besonderes Schlüsselerlebnis war für ihn, den Nachbau einer norddeutschen Orgel von Arp Schnitger aus dem 17. Jahrhundert aus der Nähe studieren zu können. Für Seifert ist das Bauen mit Massivholz heute Standard. In seiner Werkstatt lagern Eichenbretter, Fichte für die Pfeifen und Obstholz für die kleinen Pfeifen. Er schwärmt von der Hochgebirgsfichte aus dem Laternsertal in Voralberg. Luftgetrocknetes Holz ist eine Grundvoraussetzung für die Qualität und Langlebigkeit einer Orgel.

Roman Seifert erlernte seinen Traumberuf bei Orgelbau Rieger in Österreich. Der heute 40-Jährige ist relativ jung in die Familienfirma eingestiegen und inzwischen Chef von 34 Mitarbeitern. Orgelbau ist für ihn ein Mannschaftssport. Aber auch immer wieder eine Liebesgeschichte. Eine Orgel zu bauen, dauert in der Regel über ein Jahr. In dieser Zeit bauen alle Beteiligten eine besondere Beziehung zu ihrer Orgel auf. Die wenigen guten Orgelbauer, die es heute noch gibt, haben auch in Zukunft viel zu tun. Obwohl so gut wie keine neuen Kirchen mehr gebaut werden, müssen viele der Interimsorgeln, die nach dem Krieg gebaut wurden, heute restauriert und klanglich verbessert werden.

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