Geschichte der Orgeln


Zur Geschichte der Orgeln in der Stiftskirche Freckenhorst

Zusammenfassung aus: Klaus Döhring – Der Orgelbau im Kreis Warendorf
QFW Band 29, Warendorf 1995

1552 wird in den Ausgaben einer Kirchenrechnung das Vorhandensein einer Kirchenorgel erwähnt.

1607 muss die Orgel, die sich im nördlichen Kreuzarm befindet, durch einen unbekannten Orgelbauer instand gesetzt werden.

1657 wird mit dem Bielefelder Meister Hans Henrich Reinking der Neubau einer Orgel auf der 1651 neu errichteten Orgelbühne im Westchor vereinbart, die um 1661 fertiggestellt ist.

1706 wird wegen zunehmender Störanfälligkeit des Instruments mit dem Orgelbauer Henrich Mencke aus Beckum ein Vertrag zum Orgelneubau abgeschlossen; 1711 ist das Instrument fertiggestellt. Die Kosten werden von mehreren Kanonikern, aber auch zahlreichen Freckenhorster Privatpersonen, u.a. auch durch Kollekten, aufgebracht. Der Orgelprospekt wird gestiftet von der Äbtissin Hedwig von Korff-Sutthausen.

In den Folgejahren sind mehrfach Reparaturen erforderlich (u.a. auch durch Rattenplagen), aber auch Neustimmungen, Ergänzungen und Umbauten. Größere Veränderungen erfolgen 1845 durch den in Warendorf wohnenden Orgelbauer Henrich Pohlmann und 1891 durch den Orgelbauer Friedrich Fleiter aus Münster. Bearbeitungen durch diese Firma lassen sich bis 1932 nachweisen.

1936-1937 erfolgt ein weiterer Umbau durch die Firma Breil (Dorsten). Dabei entsteht ein elektropneumatisches Werk mit 36 Registern, 3 Manualen und Pedal.

Zwischen 1955 und 1964 vollzieht sich ein wesentlicher Umbau. Im Rahmen der umfassenden Kirchenrenovierung werden das alte Instrument und die Orgelempore entfernt, um die romanischen Arkadenöffnungen aus der Erbauungszeit der Kirche freizulegen. Der bisherige barocke Orgelprospekt soll ursprünglich für die Dominikanerkirche in Münster bereitgestellt werden, wird dann aber zunächst bei der Orgelbaufirma Breil eingelagert, die auch den Orgelneubau im nördlichen Kreuzarm der Kirche ausführt. Dabei wird kein altes Material aus dem Vorgängerinstrument verwendet.
Ein Teil der alten Orgel wird an die St. Andreaskirche in Essen verkauft. Der noch erhaltene barocke Hauptwerksprospekt von 1711, der in seiner Gestaltung der norddeutschen Schule um Arp Schnitger zugesprochen werden kann, wird im Oktober 2000, ergänzt um ein stilistisch passendes Rückpositiv, in die Pfarrkirche St. Dionysius in Nordwalde eingebaut.

Weitere Artikel finden sich in den Schriftreihen des Freckenhorster Heimatvereins: Klaus Gruhn – Zur Geschichte der Orgeln in der Freckenhorster Stiftskirche – Heft 3, Mai 1983 und Klaus Döhring – Orgeln in Freckenhorst – Heft 12, Dezember 1997


Quellen:

Klaus Döhring – Der Orgelbau im Kreis Warendorf – QFW Band 29, Warendorf 1995

Ders.: Henrich Mencke – in: Barocke Orgelkunst in Westfalen, Soest/Münster 1995, S. 81 – 86

Rudolf Reuter: Historische Orgeln im Münsterland, hrsg. Vom Westfälischen Heimatbund, Münster 1981

 Zusammenfassung in:

Thorsten Schlepphorst: Die neue Orgel in der St. Dionysius-Kirche in Nordwalde- 2000

Der Orgelbauer Henrich Mencke (1677 – 1727)  wurde in Beckum geboren und unterhielt hier seine Werkstatt. Zehn Orgelneubauten aus seiner Werkstatt lassen sich nach heutigem Forschungsstand nachweisen. Sein erstes nachweisbares Werk entstand zwischen 1706 und 1711 für die Stiftskirche St. Bonifatius in Freckenhorst. Der Vertrag, den Henrich Mencke mit dem Stift Freckenhorst im Jahre 1706 geschlossen hat und auf dem die Registerzüge und die Bauweise beschrieben werden, liegt heute noch vor und ist gut lesbar. „Mit seinem orgelbauerischen Schaffen im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts muss Henrich Mencke, dessen Wirkungskreis nach dem derzeitigen Stand der Sachforschung überwiegend im südöstlichen Münsterland gelegen hat, mit zu den bedeutendsten westfälischen Meistern gezählt werden.“ (Döhring).

Die Orgel für Freckenhorst vollendete Mencke 1711. Sie war wahrscheinlich sein erstes Werk und besaß 20 Register, verteilt auf Hauptwerk und Rückpositiv, im Hauptwerk mit Springladen gebaut. Der Prinzipalchor auf 8`- Basis wird nach unten durch einen Bordun 16` erweitert und im Diskant mit 3 Mixturen (Sesquialter 3fach, Mixtur und Zimbel) abgeschlossen. Ist die Superoktave 2` in Freckenhorst noch enthalten, so fehlt sie jedoch in allen übrigen Hauptwerksdispositionen Menckes. Im Rückpositiv disponiert Mencke neben den Prinzipalchor auf 4`-Basis bis zur Quinte 1-1/2` ein Gedackt 8`, die in Westfalen gern gebrauchte Flaut douce 4`, dazu Krummhorn 8`  und als Klangkrone die Mixtur.

1785 fügte man dem bis daher nur angehängten Pedal eine Posaune 16` hinzu. 1843 kam es zu einem ersten großen Umbau (Firma Heinrich Pohlmann, Warendorf). Das Rückpositiv wurde entfernt und als Unterwerk in das Hauptgehäuse eingebaut. Dies hatte zur Folge, dass der Spieltisch nun seitlich einbaut wurde. Das Werk erhielt eine gleichstufige Stimmung; an der Disposition wurden nur wenige Änderungen vorgenommen.

Erst 1891 erhielt die Orgel ein größer besetztes Pedal. Der entscheidende Umbau, dem schließlich die meisten originalen Register weichen mussten, fand 1937 statt (Firma Breil, Dorsten). Die Orgel wurde um ein drittes Manual erweitert und hatte nun elektropneumatische Traktur und in Hauptwerk, Schwellwerk, Brustwerk und Pedal 36 Register. Hatte man in diesen Umbau anfangs noch die Menckeschen Stimmen integriert, so wurde dies im Abnahmegutachten bemängelt und die meisten Register gegen neue eingetauscht. Von den Registern Menckes waren jetzt noch maximal drei in der Orgel enthalten.

Bei der Restaurierung der romanischen Stiftskirche in Freckenhorst 1955 – 1964 sollten die Arkaden in der Westempore wieder zur Geltung kommen, sodass der Platz für die die Orgel verlorenging und diese abgetragen wurde. Zu einer geplanten Wiederverwendung in der Münsterschen Dominikanerkirche kam es nicht, so dass das Hauptwerksgehäuse bei der Firma Breil in Dorsten eingelagert wurde.

Der Prospekt der barocken Orgel in der Stiftskirche wurde gestiftet von der  Äbtissin Hedwig von Korff-Sutthausen. Er zeigt noch einige Spezifika, die Mencke dann später aufgab. Er ist noch stark dem norddeutschen Typ der Schule Arp Schnitgers verpflichtet, mit Rundturm in der Mitte, zwei übereinanderliegenden Flachfeldern und einem Spitzturm außen. Später setzte Mencke dann statt der Flachfelder zwei kleine, für den westfälischen Orgelbau typische Spitztürme übereinander, denen zwei kleinere Rundtürme folgten. Seitlich werden die Gehäuse von einem um 90 Gr. gedrehten Spitzturm angeschlossen.

Keines von Menckes Orgelwerken existiert heute noch. Lediglich drei seiner Prospekte finden sich noch in Kirchen des Münsterlandes. In der Geseker Stiftskirche hat sich nur das Gehäuse des Hauptwerks der Orgel von 1712 erhalten. Unverändert erhalten sind die Prospekte in Nottuln (1719/21), mit Hauptwerk und Rückpositiv und in Beckum (1721/22) das Hauptwerk mit einem in die Hauptfassade integrierten Unterwerk, das von unten betrachtet den Anschein eines Rückpositivs erweckt.

Beim Orgelneubau in der Dionysus-Kirche in Nordwalde (1996 – 2000) durch den Orgelbauer Dieter Bensmann wurde mit dem Gehäuse der alten Freckenhorster Orgel der vierte noch verbliebene Prospekt Menckes wiedererrichtet und der Prospekt des Rückpositives rekonstruiert. Als einziges Instrument in der genannten Reihe erklingt jetzt hier ein Werk, das das sich den Vorstellungen des westfälischen Orgelbaus im frühen 18. Jahrhundert und insbesondere denen Henrich Menckes annähert.